Es gibt (vereinfacht ausgedrückt) zwei Voraussetzungen für eine gedeihliche Kommunikation: 1. Akzeptanz bestimmter Prämissen aller Diskutanten (etwa der Menschenrechte). Davon ausgehend sollten 2. mit logisch-rationaler Beweisführung mögliche Widersprüche aufgelöst werden, die sich aus diesen Annahmen bzw. den geäußerten Behauptungen ergeben. Auf solche Widersprüche hinzuweisen ist nur sinnvoll, wenn ein Konsens über die Grundannahmen besteht.
Beides (Grundkonsens, die daraus abgeleitete logische Argumentation) wird heute bei Bedarf suspendiert. Trump etwa weiß, dass er lügt, sich widerspricht etc. Das nachzuweisen ist keine große Kunst, aber belanglos, weil er (und auch die Wählerschaft) das ignorieren. Ich kann Behauptungen sinnvoller Weise nur dann widerlegen, wenn mein Gegenüber die deduktive Logik als ein Instrument akzeptiert, dass über die Gültigkeit von Argumenten entscheidet.
Wichtig ist dabei (auch) der Zusatz "deduktiv": Denn häufig pflegen Menschen in Auseinandersetzungen Erfahrungswerte einfließen zu lassen, die sie dann absolut setzen. (Verallgemeinerungen der Form "Alle Ausländer sind ...", "alle Männer sind ...", "alle x sind ..."). So wichtig der empirische Rekurs sein mag: Der Schluss von Einzelfällen auf ein Allgemeines ist nicht zulässig (Induktionsproblem). Deshalb ist die Anerkennung der Prämissen als Grundlage von so großer Bedeutung.
Aufeinander zugehen etc. mag als netter Sinnspruch durchgehen, ohne Akzeptanz von Basisannahmen und deduktiver Logik bei den Beteiligten ist derlei eine Illusion. Bei vielen ist im übrigen die Aktzeptanz der Voraussetzungen selektiv: Wenn etwa religiöse Menschen vorgeben, ein wissenschaftliches Weltbild zu besitzen, es aber im Zweifelsfall dem Glauben opfern. Das mag naiv und harmlos erscheinen (er ist doch ein lieber Kerl), ist es aber nicht.
Denn diese Haltung bildet das Einfallstor für jedwede Irrationalität. (Aus einem falschen logischen Schluss lässt sich _alles_ ableiten.) Man kann sich nicht nur bei Bedarf der Logik bedienen. D. h. - selbstverständlich kann man (auch Trump bedient sich der Logik, soweit es ihm nützlich erscheint). Aber man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein und die Fragwürdigkeit einer Haltung sehen, die fremden Unsinn kritisiert und den eigenen verteidigt.
Der Philosoph H. Schleichert hat darüber ein lesenswertes Buch geschrieben: "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren". Er zeigt eindrucksvoll, wie man esoterischem, religiösem, mit Verschwörungstheorien angereichertem Geschwurbel entgegentritt. Aber auch er kann das nur anhand von logischen Argumenten tun: So gut manche Strategie auch sein mag - in unserer derzeitigen Welt ist sie ungeeignet.