Samstag, 13. Juni 2026
Meinungsfreiheit
Antwort auf diesen Post unter Bezugnahme auf diesen Artikel:

Die Frage, ob eine solche Regelung positive, negative oder gar keine Auswirkungen hat, lässt sich schlicht nicht beantworten, weil wir nicht wissen, wie die Situtation sich unter anderen Bedingungen dargestellt hätte (wir können das Experiment nicht einfach wiederholen). In dieser Hinsicht bleibt vieles Spekulation, wir sind auf Vermutungen angewiesen.

Vielleicht ist diese Frage überhaupt relativ unbedeutend: Eigentlich geht es um den Umgang mit Rechten, Rechtsextremen, hinter all dem steht die Herausforderung, wie man den Provokationen von dieser Seite am besten begegnet. Und dabei muss man sich bewusst sein, dass die andere Seite immer die schlechteren Karten hat: Während wir uns an bestimmte, zivilisierte Verhaltensnormen gebunden fühlen (auch, um diesen Unterschied deutlich zu machen), sehen Rechte dies als Schwäche, sie betrachten den Rechtsstaat nicht als ein für alle gültiges Regelwerk, sondern bedienen sich seiner als Mittel zum Zweck. Donald Trump ist auch in dieser Hinsicht beispielgebend, Sebastian Kurz in Österreich hat eine ähnliche Agenda verfolgt: Sie versuchen mit aller Macht auf die Justiz Einfluss zu nehmen, kritisieren aber gleichzeitig jede Entscheidung, die nicht in ihren Wünschen entspricht als parteipolitisch motiviert.

Bei der obigen Regelung besteht mit Sicherheit Verbesserungsbedarf: Den "Lackaffen" bzw. "Lügner-Merz" strafrechtlich zu verfolgen ist offenkundig lächerlich und kontraproduktiv (wenn Merz schlau wäre - conjunctivus irrealis - würde er das von sich aus unterbinden, was er als Betroffener ja könnte). Aber wo genau die Grenze ziehen: Mit Hausdurchsuchungen nach einem "Idioten" oder ähnlicher Invektiven heißt mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Andererseits tut man sicher gut daran, mehr-weniger offene Drohungen ernst zu nehmen (wie bei D. Hayali) und Derartiges von vornherein zu unterbinden. Denn für die Betroffenen ist das kein Spaß und - siehe Lübcke - auch immer wieder mal sehr ernst gemeint.

Ob man die USA als Vergleichsmaßstab nehmen kann, wage ich zu bezweifeln: Dort ist die Kommunikationskultur eine andere. Und selbstverständlich würden Trump & Co eine solche Bestimmung nutzen, um Kritiker mundtot zu machen - aber das tun sie ohnehin. Geben das die Gesetze nicht her, wird (siehe Colbert, Kimmel) auf die Unternehmen Druck ausgeübt. Wie oben bereits geschrieben: Diese Leute haben nicht die geringste Absicht, sich an die anerkannten Spielregeln zu halten - egal wie diese formuliert sind.

Es ist eine Gratwanderung und man wird immer wieder nachjustieren müssen: Grundsätzlich sollte aber - vor allem auch im SM-Media-Bereich - das Bewusstsein geweckt werden, dass Beleidigungen, falsche Anschuldigungen und Unterstellungen Folgen haben können. Ich habe selbst erst vor kurzem eine - recht unerquickliche - Unterhaltung mit einer Dame geführt, die nach dem Unfall mit den zwei toten Schulkindern in Duisburg die Fahrerin (ohne auch nur annähernd irgendein Wissen bezüglich eines möglichen schuldhaften Verhaltens zu besitzen) diese als Mörderin und Killerin meinte bezeichnen zu können. Und auf meinen Einwand höchst empört reagierte und mich alsbald als Nazi meinte titulieren zu müssen.

Merz als dumm zu apostrophieren sollte von der Meinungsfreiheit gedeckt sein (und könnte - manche Sachverhalte betreffend - auch beweisbar sein: Da man als "dumm" im Regelfall ein Verhalten ansieht, dass im Sinne einer Zielerreichung bzw. -verfolgung kontraproduktiv ist - da fiele mir einiges im Zusammenhang mit dem deutschen Kanzler ein). Die den Autounfall verursachende Fahrerin (so furchtbar die Folgen auch waren) aufgrund von Vermutungen eine Mörderin zu nennen hingegen nicht (auch wenn es bei dem in Frage stehenden Paragraphen explizit um Personen des politischen Lebens handelt, dürfte die Schnittmenge jener, die sich Politikern bzw. anderen Bürgern gegenüber unflätig verhalten, relativ groß sein). Und ob man - wie im Artikel angedeutet - immer klar zwischen Beschimpfungen und Bedrohungen trennen kann, wage ich auch zu bezweifeln; für Menschen, die in der Öffentlichkeit wirken, dürfte ein gewisses Unbehagen nachvollziehbar sein. Wie erwähnt - jeden "Trottel" zu verfolgen, deshalb sogar Hausdurchsuchungen anzuordnen, ist selbstverständlich ein Unding. Der dezente Hinweis, dass nicht jede Beleidigung von dem/der Betreffenden hingenommen werden muss und vielleicht sogar justiziabel ist, kann aber auch nicht schaden.



Freitag, 5. September 2025
Sterbehilfe
Und schon einen Tag nach dem Freitod Glattauers kommen die moralinsauren Christen aus ihren ungustiösen Löchern gekrochen und beklagen sich über die Berichterstattung in Sachen Sterbehilfe. Und der ORF räumt einer "christlichen Philosophin" (contradictio in adiecto?) weit mehr Platz für ihre unappetitlichen Ergüsse ein als für den Tod Glattauers (wodurch sich überhaupt Christen, Kirchen irgendeine Berechtigung erworben haben sollen, in moralischen Fragen zu Wort zu kommen, will sich mir ohnehin nicht erschließen). Und so nebenbei: Habt ihr, liebe Christen, nicht genug Dreck am Stecken in eurem eigenen Verein, um den ihr euch mal - irgendeine Minimalmoral vorausgesetzt - kümmern könntet?)

Der Falter habe die Grenzen bei der Berichterstattung überschritten: Von wegen Nachahmeffekt und "unter Druck setzen von Sterbenskranken". Nachahmeffekt? Den Artikel nicht gelesen? Wieviele Hürden ohnehin genommen werden müssen, um ein selbstbestimmtes Sterben möglich zu machen? Wer das nachahmen will, der soll das tun können, weil er unendlich leidet und kein Geschwafel hören will, dass der liebe Gott dieses Leiden nun mal so will und man es deshalb gefälligst zu ertragen habe. (Die widerliche "Mutter Theresa" hatte auch genau diese Einstellung: Ihr war es nie um Heilung zu tun, sondern um Ertragen, sie war nicht um ärztliche Hilfe bemüht, sondern um das gottgewollte Leiden und Sterben, das man bestenfalls mit Gebeten begleiten hätte sollen - siehe hier.)

Und "unter Druck setzen"? Wer wird hier unter Druck gesetzt - als einzig der Leidende, dass er all die Schmerzen, all seine Verzweiflung gefälligst zu ertragen habe? Es geht nie um den Menschen bei diesen Christen, um Humanität, sondern um hirnrissiges Festhalten an Geboten, die ein durchgeknallter Prophet vor ein paar tausend Jahren glaubt erhalten zu haben.

Und es wurden keine "gegenteiligen Meinungen" gehört? Hoffentlich nicht, denn es geht keinen etwas an, wenn jemand für sich selbst und geistig gesund eine Entscheidung trifft. Wer soll denn darüber bestimmen, ob ein Leiden, ein Weiterleben noch erträglich ist als der Betreffende selbst? Euer "lieber" Gott, der ansonsten mit Aufrufen zu Mord und Totschlag nicht geizt, die Kirchen, die für mehr Tote verantwortlich zeichnet als irgendeine andere Organisation dieser Welt, eine Kirche, die sich nicht entblödet, Waffen zu segnen, vergewaltigten Frauen die Hilfe versagt?

Zusätzlich widerlich ist, dass der ÖRR diesem Religionsgefasel so viel Platz einräumt (die religiöse Lobby ist der Wirtschaftslobby wohl noch überlegen) und dies wahrscheinlich ganz ähnlich wie bei den Rechtsextremisten mit "Meinungsvielfalt" verteidigt (besser: Wohl nicht mal verteidigen muss, weil es ja noch immer zum Selbstverständnis gehört, dass christliche Vertreter kompetent in Fragen von Moral und Ethik seien - was falscher wohl nicht sein könnte).